Auszüge aus „Der Brockhaus“

Volkskalender (Bauernkalender), seit dem Ende des 15.?Jahrhunderts verbreiteter volkstümlicher Jahreskalender, wurde als astrologisch-religiöser Haus- und Wetterkalender (Bauernpraktik) seit der gedruckten Erstausgabe von 1508 ständig vermehrt und noch bis ins 20.?Jahrhundert verlegt. Der Volkskalender enthielt neben praktischen Hinweisen, Merksätzen, Rezepten, Lebens- und Gesundheitsregeln, Angaben über Himmels-, Erd- und Wetterkunde (hundertjähriger Kalender), kirchlichen Festen und Heiligentagen auch (Volks-)Wetterregeln (Bauernregeln), Aderlasstermine (Aderlassmännchen) und Verzeichnisse von Glücks- und Unglückstagen (»Lostagen«), ferner Sprichwörter u.?a. Diese Anweisungen fassten einen wesentlichen Teil zeitgenössischen Wissens und Volksglaubens zusammen; in der Aufklärung wurden diese Volkskalender deshalb oft »Bibeln des Aberglaubens« genannt, obwohl sie auch nützliche Lebensweisheiten, Hinweise über gesunde Lebensführung, Angaben über Messen und Märkte, Postlinien, Wechselkurse, Maß- und Gewichtseinheiten sowie Genealogien enthielten (seit dem 17.?Jahrhundert auch Namensregister bestimmter Standes- und Berufsgruppen). Der Volkskalender war neben Gebetbuch und Bibel oft der einzige Lesestoff im Bauernhaus und ist so Bestandteil wie Spiegel historischer Volkskultur..

(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001



Über welchen Zeitraum erstreckt sich das System einer Witterungsperiode im hundertjährigen Kalender:
- über 7 Jahre
- über 88 Jahre
- über 100 Jahre?

Nur über 7 Jahre. Von 1652-58 notierte der Abt Mauritius Knauer im Kloster Langheim bei Lichtenau täglich astronomische und meteorologische Daten. Diese Beobachtungen fasst er in einer Witterungsperiode zusammen, die sich im 7-Jahre-Zyklus wiederholt. In dieses System arbeitete er alte Bauernregeln ein und stellte es auf eine astrologische Grundlage.
Gedruckt wurde Knauers Arbeit erst im Jahr 1700 in Erfurt. Dabei wurde sie auf den Zeitraum 1701-1800 ausgedehnt. Alle Ausgaben seither beruhen auf diesem hundertjährigen Kalender, der jedoch heute für die Wettervorhersage als völlig wertlos gilt.

(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001

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Zuletzt geändert: 17.02.2015, 16:28:41